052-0729-18L  Gesellschaft in Serie:Schweizer Systembauten zwischen Sozialutopie und Nutzungsdruck

SemesterHerbstsemester 2018
DozierendeM. A. Glaser, E. Hinz, T. Schlinzig
Periodizitäteinmalige Veranstaltung
LehrspracheDeutsch


KurzbeschreibungDas Forschungsseminar analysiert anhand verschiedenster empirischer Materialien Beispiele Schweizer Systembauten der 1940er bis -70er Jahre. Das Interesse gilt den Wechselwirkungen von baulichen, sozialen und kulturellen Strukturen: Wie bestimmen die gesellschaftliche Verhältnisse der Nachkriegsmoderne das Bauen und wie wirkt die gebaute Umwelt in die Gesellschaft zurück?
Lernziel- Grundverständnis ausgewählter architektursoziologischer Ansätze
- Einführung in empirische Methoden der Bild- und Textanalyse
- gegenstandsbezogenes Verstehen der komplexen Wechselwirkungen von gebauter und sozialer Umwelt
- Erprobung interdisziplinärer Forschungszusammenhänge (Soziologie - Architektur)
- (methodische) Sensibilisierung des eigenen Planens und Entwerfens für soziale, kulturelle und politische Dynamiken
- Überblick über den Schweizer Systembau der 1940er- bis 70er Jahre
InhaltDer Systembau* erlangte in der Architekturwelt des 20sten Jahrhunderts eine besonders hohe Popularität und wirkt nicht zuletzt durch die an ihm erprobten Rationalisierungs- und Entwurfsprinzipien bis in die heutige Arbeit von ArchitektInnen fort.
Seine gegenwärtige Relevanz begründet sich neben der hohen Anzahl und räumlichen Verbreitung seriell produzierter Bauten im heutigen Baubestand auch in seiner architektur- und sozialgeschichtlichen Bedeutung.

Im Forschungsseminar beschäftigen wir uns mit der bauzeitlichen Sicht auf den Systembau. Die in Arbeitsgruppen organisierten Untersuchungen widmen sich Entwürfen und Plänen, Visualisierungen, begleitenden Schriften und Dokumentationen.
Auf der Grundlage des erarbeiteten, breit angelegten empirischen Materialkorpus sollen zentrale Fragestellungen untersucht werden, die den Zusammenhang von baulichen und sozialen/kulturellen Strukturen beleuchten:
- Welche gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmen das Bauen und in welcher Weise ist Architektur vergesellschaftend wirksam?
- Welche textlich und visuell formulierten Deutungsangebote lassen sich anhand der Materialien für die modularisierte, industriell-technisch normierte (System-)Bauweise herausarbeiten?
- Welches Gesellschafts- oder Menschenbild dokumentiert sich im Systembau und welche Gesellschaftsentwürfe werden hierüber forciert?
- Wie verhält sich der in der Nachkriegszeit einsetzende gesellschaftlich breitenwirksame Individualisierungsschub zu den Normierungstendenzen des Systembaus?

Essentieller Teil des Seminars ist die eigenständige Recherche- und Analysearbeit der Studierenden.


Block I
Einführende Textlektüre architektursoziologischer Ansätze und Forschungen sowie architekturgeschichtliche Einordnung des Systembaus

Block II
Grundzüge empirischer Methoden der Bild- und Textanalyse

Block III + IV
Analyse von Bild- und Textmaterial zu ausgewählten Schweizer Systembauten der 1940er bis -70er Jahre

Abschlusspräsentation



* Beispiele des Schweizer Systembaus sind die Betriebsanlagen von USM in Münsingen / System USM-MAXI von Fritz Haller oder die Siedlung Sunnebüel in Volketswil / System der Göhner AG
Voraussetzungen / BesonderesDie Veranstaltung ist als ein Blockseminar angelegt (das Seminar findet nicht wöchentlich statt sondern in vier Unterrichtsblöcken à acht Stunden). Zwischen den einzelnen Sitzungen ist in Arbeitsgruppen selbstständig Recherche- und Analysearbeit durch die Studierenden zu leisten. Besondere soziologische Fachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Das Seminar soll gleichzeitig am D-ARCH und am D-GESS angeboten werden.

Die Lehrveranstaltung ist Teil der Forschungsarbeiten im Rahmen der Arbeitsgruppe "System & Serie" der ICOMOS Suisse (http://www.icomos.ch/workinggroup/system-serie/).